Biblische Geschichten in literarischer Deutung ...
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Biblische Geschichten in literarischer Deutung – und Beiträge zur Theologie- und Kirchengeschichte
Von Sintflut, Jaákob, Saul und David, von Hus und Josel, von Antijudaismus und Antisemitismus in Theologie und Kirche – und von Einsichten nach der Shoah: Dieses Buch verbindet die Kraft biblischer Erzählungen mit der Sensibilität moderner Literatur sowie mit Beiträgen zur Theologie- und Kirchengeschichte.
Inhalt und Ansatz der Monografie
Das 20. Jh. hat in großer Zahl biblisch motivierte Literatur hervorgebracht, die geprägt ist von den Zivilisationsbrüchen dieses Jahrhunderts. Denn die Erzählungen der Bibel sind nach wie vor aktuell und können helfen, die Gegenwart als Zeitalter von Globalisierung und Klimaveränderung sowie die jüngere Vergangenheit mit zwei Weltkriegen besser zu verstehen. Joachim Liß-Walther stellt in dieser Monografie besonders eindrückliche Werke mit biblischem Hintergrund vor:
- den „Weg der Verheißung“ von Franz Werfel,
- „Die Sintflut“ von Stefan Andres,
- „Jaákobs Traum“ von Richard Beer-Hofmann,
- „Saul“ von Max Zweig,
- den „König David Bericht“ von Stefan Heym und
- „R.U.R.“ von Karel Čapek.
Die Texte im zweiten Teil des Buches stehen in besonderem Bezug zur langjährigen Tätigkeit des Autors in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.
Warum dieses Buch jetzt wichtig ist
Biblische Geschichten in literarischer Deutung erschließt vertraute Motive – Verheißung, Gericht, Traum, Berufung, Schuld und Verantwortung – in der Sprache großer Autorinnen und Autoren der Moderne. Die Monografie zeigt, wie Literatur auf historische Erschütterungen reagiert, wie sie religiöse Traditionen befragt und neu ins Gespräch bringt: mit der Theologie, der Kultur- und Kirchengeschichte und den Herausforderungen unserer Zeit.
Methodik: Bibel als Literatur – Literatur als Theologie
Die Lektüre folgt einer literarischen Hermeneutik: Sie fragt nach Gattungen, Bildsprache, Symbolik und Erzählperspektiven, nach Intertextualität und Motivgeschichte biblischer Stoffe. Zugleich nimmt sie die Rezeptionsgeschichte in den Blick: Wie werden biblische Erzählungen im 20. Jahrhundert aufgegriffen, um Schuld, Leid, Hoffnung und Zukunft zu verhandeln? Interdisziplinär verbunden werden Literaturwissenschaft, Theologie, Religionswissenschaft, Kulturgeschichte und Psychologie – in einem Stil, der zugleich wissenschaftlich fundiert und gut lesbar ist.
Literarische Fallstudien – kurz skizziert
Franz Werfel: „Der Weg der Verheißung“
Werfels dramatische Verdichtung biblischer Motive entfaltet Verheißung als tragende Hoffnung. Die Studie zeigt, wie eschatologische Perspektive und existenzielle Erfahrungen der Moderne miteinander verschränkt werden.
Stefan Andres: „Die Sintflut“
Die Sintflut wird zur Metapher für kollektive Katastrophenerfahrungen. Beleuchtet werden Motivgeschichte, Gericht und Neuanfang – mit Blick auf ökologische, ethische und politische Lesarten.
Richard Beer-Hofmann: „Jaákobs Traum“
Der Traum als Ort der Gottesbegegnung: Die Analyse verfolgt, wie Berufung, Identität und Erinnerung in einer poetischen Sprache der Moderne neu zum Klingen kommen.
Max Zweig: „Saul“
Saul als tragische Figur zwischen Berufung und Zerbruch: Das Buch liest die Erzählung als psychologisch dichte Studie über Macht, Gewissen und den Verlust des inneren Maßes.
Stefan Heym: „König David Bericht“
Geschichte, Macht und Erzählung: Am Beispiel Heyms wird sichtbar, wie Geschichtsschreibung, Theologie und politische Gegenwart in kritischer Ironie zusammenfinden.
Karel Čapek: „R.U.R.“
Technik, Schöpfung und Verantwortung: Die Studie fragt, wie das Motiv der Gottesebenbildlichkeit und die Ethik des Handelns im Spannungsfeld moderner Technik reflektiert werden.
Zweiter Teil: Theologie-, Kirchen- und Kulturgeschichte im Dialog
Die Beiträge des zweiten Teils vertiefen zentrale Themen an ausgewählten historischen Gestalten und Kontroversen – unter anderem an Hus und Josel – und eröffnen Perspektiven auf Antijudaismus und Antisemitismus in Theologie und Kirche. Dabei werden Stimmen und Traditionen kritisch befragt und Einsichten nach der Shoah bedacht: Was bedeutet es, nach Auschwitz biblische Texte zu lesen, religiöse Sprache zu verwenden und kirchliche Geschichte zu erzählen?
Im Horizont der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit verknüpft der Band historische Beispiele mit Fragen der Gegenwart: Erinnerungskultur, Verantwortung, Dialogfähigkeit und die Sensibilität für Sprache und Bilder, die verletzen oder versöhnen können.
Zeitgenössische Relevanz: Globalisierung, Klima, Kriegserfahrung
Die literarische Deutung biblischer Geschichten öffnet Deutungsspielräume für Themen, die unsere Zeit prägen: Globalisierung und kulturelle Verflechtungen, ökologische Krisen und Klimawandel, Kriege und Fluchterfahrungen. Der Band zeigt, wie biblische Motive Orientierung schenken – nicht als einfache Antworten, sondern als Einladung, ethisch reflektiert zu handeln.
Für Studium, Kirche und Bildung – Zielgruppen und Einsatz
- Theologie, Religions- und Kulturwissenschaft: Als fundierte Monografie zur Rezeptionsgeschichte der Bibel in der Literatur des 20. Jahrhunderts.
- Literaturwissenschaft und Deutschdidaktik: Für Seminare zu Intertextualität, Hermeneutik, Symbolik und Motivgeschichte.
- Pfarrerinnen, Diakoninnen, Gemeindepädagogik: Für Predigtvorbereitung, Erwachsenenbildung, Gesprächskreise.
- Bildungsarbeit im interreligiösen Kontext: Impulse für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Erinnerungskultur und Dialog.
- Interessierte Leserinnen und Leser: Für alle, die entdecken möchten, wie biblische Erzählungen in moderner Literatur neu sprechen.
Lesen, Forschen, Weiterdenken: Ihr Nutzen
- Schneller Überblick über bedeutende Werke mit biblischem Hintergrund – klar strukturiert und verständlich erklärt.
- Methodische Orientierung: Literaturwissenschaftliche und theologische Zugänge werden nachvollziehbar gemacht.
- Brücke zwischen Text und Gegenwart: Konkrete Anknüpfungspunkte für Unterricht, Predigt, Vortrag und Diskussion.
- Vertiefungsthemen: Antijudaismus/Antisemitismus, Shoah-Reflexion, Kirche und Gesellschaft.
Über den Autor
Joachim Liß-Walther, geboren 1949 in Schleswig. Studium der Psychologie, Soziologie und Erziehungswissenschaften in Tübingen, Berlin und Hamburg sowie der Evangelischen Theologie und Philosophie in Wuppertal und Bochum. 1991-2008 Gemeindepastor in Kiel, 1998-2003 "Pastor für Kirche in der Landeshauptstadt Kiel". 2008-2012 Studienleiter an der Akademie Sankelmark/Europäische Akademie Schleswig-Holstein. Seit 1998 Zweiter und seit 2004 Erster Vorsitzender der "Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein". Seit 2017 Vorsitzender im "Freundeskreis Jüdisches Museum Rendsburg" – Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf.
Die langjährige Praxis an der Schnittstelle von Kirche, Bildung und interreligiösem Dialog prägt die Perspektive dieser Monografie: kenntnisreich, sensibel, dialogorientiert.
Schlagworte
- Biblische Geschichten, literarische Deutung, Bibel als Literatur
- Rezeptionsgeschichte, Hermeneutik, Intertextualität, Motivgeschichte
- Moderne Literatur, 20. Jahrhundert, Kulturgeschichte
- Franz Werfel, Stefan Andres, Richard Beer-Hofmann, Max Zweig, Stefan Heym, Karel Čapek
- Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Antijudaismus, Antisemitismus, Shoah
- Globalisierung, Klimawandel, Kriegserfahrung, Erinnerungskultur
| Autoren: | Liß-Walther, Joachim |
|---|---|
| Erscheinungsjahr: | 2020 |
| Verlag: | Lutherische Verlagsgesellschaft |
| ISBN: | 978-3-87503-241-3 |
| Seiten: | 616 |
| Einband: | Hardcover |
Kontakt des Herstellers
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