Handicap mit Todesfolge
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Über das Buch: Handicap mit Todesfolge – historisch fundierter Kriminalroman mit brisantem Hintergrund
Handicap mit Todesfolge ist ein fesselnder, respektvoll erzählter Kriminalroman mit starkem historischem Fundament. Im Zentrum stehen die Alsterdorfer Anstalten in Hamburg, deren unrühmliche Geschichte während der NS-Zeit und in der Nachkriegszeit akribisch recherchiert und literarisch verdichtet wird. Der Autor verzichtet auf sein Honorar – pro verkauftem Exemplar erhält die Evangelische Stiftung Alsterdorf 1 Euro.
Inhalt
Dieser überaus brisante Krimi ist zwar fiktiv, sein Hintergrund aber – die skandalöse Geschichte der Alsterdorfer Anstalten in Hamburg während der NS- und der Nachkriegszeit – basiert auf historischen Fakten:
Ein Festakt zu seinen Ehren endet für Oberstaatsanwalt a.D. Bansierski, einst gefürchteter Nazijäger, mit einer tödlichen Herzattacke. Bei dem alten, herzkranken Mann schöpft niemand Verdacht.
Einige Jahre später publizieren drei Mitarbeiter der evangelischen Stiftung Alsterdorf eine Studie über den Umgang mit Behinderten während der NS-Zeit. Aus ihrem Bericht geht hervor, dass in Alsterdorf schwerste Verbrechen an Behinderten und psychisch Kranken begangen wurden.
Als Ulf Raith, einer der drei, im Urlaub bei einem vermeintlichen Unfall stirbt, vermutet wieder niemand einen Mord. Seine Frau „Doro“ übernimmt es, im Archiv der Stiftung die Materialien auszuwerten. Dort stößt sie auf Kartons aus dem Nachlass von Oberstaatsanwalt Bansierski und auf Briefe, die der leitende Psychiater der Anstalten, Dr. Wilhelm Kahlenbaum, von 1934-46 an den damaligen Leiter von Alsterdorf geschrieben hatte.
Noch einer der drei, Jens Nord, muss sterben. Er wird auf Korsika mit einem aggressiven HIV-Stamm infiziert.
Doro und der Autist Andreas erkennen schließlich die Zusammenhänge. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn der Täter plant bereits Mord Nr. 4. So kommt es zum dramatischen Showdown in einer U-Bahn-Haltestelle …
Erweiterte Einordnung: Spannung und historische Tiefe
Der Roman verknüpft Krimispannung mit dem Blick in die Archive: Doro und Andreas stoßen auf verschüttete Wahrheiten, die bis in die 1930er und 1940er Jahre zurückreichen. Briefe des Psychiaters Dr. Wilhelm Kahlenbaum, Spuren in Nachlässen und stille Verbindungen in kirchliche und städtische Strukturen legen eine Kette von Schuld, Vertuschung und späten Racheakten offen. Die Schauplätze – Hamburg, Alsterdorf, Archivkeller, U-Bahn, aber auch Stationen in Europa wie Korsika – geben der Erzählung internationale Perspektive und beklemmende Nähe.
Historischer Hintergrund: Alsterdorfer Anstalten und NS-„Euthanasie“
Die fiktive Handlung ruht auf einem realen, erschütternden Fundament. In der NS-Zeit wurden Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen systematisch entrechtet, deportiert und ermordet – ein Komplex, der im Kontext der sogenannten „Euthanasie“-Programme (oft unter dem Stichwort „Aktion T4“ zusammengefasst) steht. Der Roman greift die historische Verstrickung der Alsterdorfer Anstalten auf, verweist auf Transporte in Tötungsanstalten wie Hadamar und thematisiert zugleich Mechanismen der Nachkriegszeit: das Verschweigen, das Verdrängen und die lange verzögerte juristische Aufarbeitung. So entsteht aus der Krimihandlung eine literarische Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur, Schuld und Verantwortung.
Autor
Prof. Dr. Hanns-Stephan Haas (Jg. 1958) ist Theologe, Hochschullehrer und seit 2008 Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Stiftung Alsterdorf in Hamburg. Er ist verheiratet, Vater von fünf Kindern und Autor zahlreicher Bücher. Seine institutionelle Nähe und sein verantwortungsbewusster Blick verleihen diesem Tatsachenkrimi besondere Authentizität und Tiefenschärfe.
Pressestimme
Rezension:
Dementi
In der Nazi-Zeit ließ der Leiter der kirchlichen Alsterdorfer Anstalten, Pastor Friedrich Lensch, deren Insassen aus Hamburg abtransportieren - zwecks Euthanasie in Hadamar und anderen Tötungsanstalten. Nach dem Krieg tat man alles, um die Aufklärung des Massenmords zu verhindern, und Täter Lensch wirkte fortan als Pastor der Christuskirche in Hamburg-Othmarschen. Als Staatsanwalt begann ich 1969, gleich nach der Rückkehr von der Ludwigsburger Zentralstelle zur Verfolgung von NS-Verbrechen, mit einer Anklageschrift. 900 Seiten wurden es. Das Ermittlungsergebnis, reiches Material, liegt nun Hanns-Stephan Haas' 300seitiger Tatsachenkrimi Handicap mit Todesfolge (Friedrich-Wittig-Verlag, Kiel 2015) zugrunde, verfremdet, zugespitzt und mit vielen zeitgeschichtlichen Tatsachen angereichert. Gut lesbar und spannend. Lensch wird beim Namen genannt, ich komme als Nazi-Jäger Bansierski vor. Leider werde ich schon im ersten Kapitel ermordet, was ich an dieser Stelle energisch dementieren muss. Ich hab auch nicht während meines Festvortrags im Rathaus zuviel Rotwein getrunken, darunter dummerweise auch vergifteten. Auch hab ich nicht »die Stimme eines Kastraten, der sein Schicksal bejammert«, wie ein böser Feind im Buch behauptet. Wohl aber hab ich jetzt die Genugtuung, dass mein Tod im Buch seine Aufklärung findet. Wer war der Täter? Wer hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Vergangenheitsbewältiger zu ermorden? Antwort findet man im Roman, geschrieben von einem präzise mit Fakten und Fiktionen operierenden Autor. Haas ist seit sieben Jahren Vorsitzender der evangelischen Stiftung Alsterdorfer Anstalten. Ich las das Handicap mit Todesfolge mit heißem Kopf und durchaus mit Genugtuung. (Dietrich Kuhlbrodt in: Konkret, Heft 8/2015)
Warum dieses Buch lesen?
- Spannender Tatsachenkrimi, der historische NS-Verbrechen literarisch präzise aufarbeitet.
- Seltene Innenperspektive: Archivfunde, Briefe und Nachlässe als Ausgangspunkt der Ermittlung.
- Relevantes Thema für Kirche, Gesellschaft und Erinnerungskultur in Hamburg und darüber hinaus.
- Mit Mehrwert: Der Autor verzichtet auf sein Honorar – 1 Euro je Exemplar geht an die Evangelische Stiftung Alsterdorf.
Für wen eignet sich dieses Buch?
- Leserinnen und Leser historischer Kriminalromane und True-Crime-nahe Literatur mit Anspruch.
- Menschen in Kirche, Diakonie und Behindertenhilfe, die sich mit Aufarbeitung und Ethik befassen.
- Studierende, Lehrende und Interessierte an NS-Zeit, Kirchengeschichte, Psychiatriegeschichte und Erinnerungskultur.
- Lesekreise, die eine fundierte, diskussionswürdige Lektüre mit gesellschaftlicher Relevanz suchen.
Themen und Schlagworte
Alsterdorfer Anstalten, Evangelische Stiftung Alsterdorf, NS-Zeit, NS-„Euthanasie“, Aktion T4, Hadamar, Behindertenmorde, Nachkriegs-Vertuschung, Archivarbeit, Oberstaatsanwalt a.D. Bansierski (Nazi-Jäger), Dr. Wilhelm Kahlenbaum, Pastor Friedrich Lensch, Hamburg, Korsika, historischer Kriminalroman, Tatsachenkrimi.
Hinweis zur Sensibilität des Inhalts
Das Buch behandelt Gewaltverbrechen, NS-„Euthanasie“ und Leid von Menschen mit Behinderungen. Es ist sorgfältig und respektvoll erzählt, kann aber emotional stark berühren. Empfohlen für Leserinnen und Leser, die sich bewusst mit diesem Teil der Geschichte auseinandersetzen möchten.
Besonderer Hinweis
Der Autor verzichtet auf sein Honorar. Pro verkauftem Exemplar erhält die Evangelische Stiftung Alsterdorf 1 Euro. Mit Ihrem Kauf unterstützen Sie somit die Arbeit einer diakonischen Einrichtung mit historischer Verantwortung und gegenwärtigem Auftrag.
| Autoren: | Haas, Hanns-Stephan |
|---|---|
| Erscheinungsjahr: | 2015 |
| Verlag: | Friedrich Wittig Verlag |
| ISBN: | 978-3-8048-4512-1 |
| Seiten: | 304 |
| Einband: | kartoniert |
Kontakt des Herstellers
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